Im Schatten der Großprojekte

Fahrzeugmodernisierungen sind oftmals eine betriebswirtschaftlich attraktive Alternative zur Neuanschaffung. Doch nicht nur das. Einen durchdacht modernisierten Zug werden Passagiere wie einen neuen wahrnehmen. Vier Projektbeispiele, was mit dem Knorr-Bremse Nachmarkt- und Modernisierungsspezialisten RailServices alles möglich ist.

Es müssen nicht immer die „Klassiker“ sein. Der nachträgliche Einbau eines neuen Bremssystems gehört etwa dazu. Mit ihm kann ein Zug länger schnell fahren – und trotzdem rechtzeitig stehen bleiben. Oder ein neues Einstiegssystem. Damit auch eingeschränkte Passagiere ohne Probleme am Bahnverkehr teilhaben können.

Aber auch jenseits der Hauptthemen Brems-, Tür- und Klimasysteme besticht Knorr-Bremse RailServices mit einem breiten „State-of-the-Art“-Modernisierungsportfolio. Schon kleine Anpassungen liefern einen großen Beitrag zu einem neuen Sicherheits- und Komfortniveau.

RailServices bringt dafür zwei ganz entscheidende Pluspunkte mit: Sein weltweites Servicenetzwerk – und den Zugriff auf die Kompetenzen des kompletten Knorr-Bremse Konzerns. Das Ergebnis sind integrierte, kundenspezifische und zuverlässige Modernisierungskonzepte.

Sauber und komfortabel: neue Sanitärsysteme

Gerade moderne Vakuumtechnik-Systeme sind mit ihrer hygienischen, wassersparenden und sauberen Abwasserentsorgung hochkomplex: Wasser- und Abwassersystem, kundenspezifisches Elektro-Hydraulik-Kit, Tanks und die mit dem Train Control & Management System (TCMS) verknüpfte Steuerung wollen zuerst untereinander integriert sein und schließlich ins Schienenfahrzeug selbst. Als ausgewiesener Spezialist bringt Knorr-Bremse RailServices sämtliche Aspekte zusammen – künftig auch verstärkt von der neuen Knorr-Bremse Marke für integrierte Sanitärsysteme für Schienenfahrzeuge: Evac.

Über die Jahre hat RailServices in VB2N-Nahverkehrswagen der SNCF (Frankreich) sowie Vivalto- und Minuetto Nahverkehrswagen der Trenitalia (Italien) mit geschlossenen und elektronisch gesteuerten Sanitärsystemen modernisiert. Clou dabei: Wasser- und Abwassertank „versteckten“ die Ingenieure hinter der Kabinenwand oder unter Sitzgarnituren. Bei Zügen der Coradia-Plattform der Privatbahn Trentino Transporti ersetzten sie die bislang manuellen Toilettentüren durch automatische. Derzeit läuft zudem der Austausch der bisher installierten Abwassertanks der Trenitalia Hochgeschwindigkeitszüge ETR600-610 durch eine verbesserte Lösung auf Basis eines neuen Designs.

Zuverlässig und langlebig: neue Bordnetzumrichter

Zusammen mit Kiepe Electric, dem Spezialisten für e-Engineering im Knorr-Bremse Konzern, hat RailServices gerade 39 Alstom CITADIS C-Klasse Fahrzeuge des Betreibers Yarra Trams in Melbourne mit neuen Bordnetzumrichter modernisiert. Hintergrund war, dass sich die Ersatzteilversorgung für die alten Umrichter zusehends verschlechterte. Mit dem Austausch der Komponenten verbesserte sich nicht nur Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Die Modernisierung sorgte auch für ihr deutlich verlängertes Betriebsleben. Vergleichbare Projekte setzten RailServices und Kiepe Electric auch an Siemens-Fahrzeugen der Combino D-Klasse um.

Effizient und sicher: neue Sandungssysteme

Wenn das berüchtigte Herbstlaub auf den Schienen liegt verringert sich der Haftwert zwischen Rad und Schiene dramatisch. Auch beim Anfahren sind Sandungssysteme ein bewährtes Mittel, um niedrige Reibwerte – und damit die mögliche Taktzeit zwischen zwei Zügen – entscheidend zu verbessern. Ein Luftstrom bläst dazu Sand in Richtung Rad-Schiene-Kontakt. Dort wird er zermahlen und kann seine haftwertsteigernde Wirkung entfalten.

Aus früher einmal einfach konstruierten Anlagen sind im Laufe der Zeit ausgereifte High-Tech-Systeme mit druckproportionaler Aufbringung, Sandstands- und Sandflusssensoren, einem Trocknungsluftstrom zur Schlauchfreihaltung und Sandrohrheizungen geworden. Modernes geschwindigkeitsabhängiges Sanden ist zudem das Maß der Dinge: Es senkt einerseits den Sandverbrauch und die entstehende Feinstaubmenge. Andererseits profitieren Betreiber von verringerten Stillstandzeiten, weil sich die Abstände zwischen Sandkastenfüllungen verlängern.

Unsichtbar und wertvoll: System zur Überprüfung der Luftqualität

Abgeleitet aus dem Prinzip ihres Energy Meterings zur Energieverbrauchsmessung hat die Knorr-Bremse Gesellschaft Microelettrica ein System entwickelt, das die Luftqualität in Zügen misst. Unkompliziert als Plug-and-Play-Lösung in praktisch jedem Luftkanal nachrüstbar liefert es Passagieren wie Betreibern in Echtzeit den aktuellen Status der Luftqualität. Gleichzeitig lässt sich mit dem System die Effektivität von Desinfektionsmaßnahmen kontrollieren. Die ersten Prototypen sind bereits produziert und befinden sich in Vivalto-Zügen von Trenitalia im Feldtest.