
Die LĂ€rm- und Gewichtsreduzierung bei Schienenfahrzeugen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die AirSupply Smart setzt hierbei neue MaĂstĂ€be. Dank intelligenter und adaptiver Funktionen sowie einer, durch innovative Entwicklungsmethoden optimierten Schallauslegung des Kompressors , können bisher fĂŒr einen offenen Kolbenkompressor unerreichbare Schallziele realisiert werden.
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Frequenzumrichter öffnet TĂŒr fĂŒr adaptive Steuerung und ermöglicht so Schall- und Gewichtsreduzierungen
Im Bereich der Luftversorgung von Schienenfahrzeugen findet gerade ein durch die AirSupply Smart vorangetriebener Paradigmenwechsel statt: Aus einer bislang im Start-Stopp-Modus betriebenen Komponente ist ein intelligentes System mit einem Frequenzumrichter als zentrales Antriebs- und Steuerungsorgan entstanden. Der Umrichter ermöglicht erstmals ein Drehzahl- und damit Leistungsmanagement unabhĂ€ngig vom Versorgungsnetz des Zuges. Die AirSupply Smart vereint dabei mehrere Funktionen auf eine Funktionseinheit, vereinfacht dadurch das Gesamtsystem und kann durch eine adaptive Steuerung verschiedenste Vorteile erzielen.Ein Beispiel hierfĂŒr stellt der âBoost Modeâ dar. Bei besonders hohen Luftbedarfen kann der Frequenzumrichter die Kompressordrehzahl erhöhen, um mit der gesteigerten Förderleistung AufrĂŒstzeiten zu verkĂŒrzen. In kritischen Situationen wirkt sich dies unmittelbar auf die BetriebsqualitĂ€t eines gesamten Nahverkehrsnetzes aus: Verlassen beispielsweise an einer zentralen Umsteigestation ein GroĂteil der Passagiere auf einmal das Fahrzeug, weshalb die Luftfederung hohe VerbrĂ€uche aufweist, kann die erhöhte Lieferleistung die Fahrbereitschaft beschleunigen. Durch die Ăberhöhung der Lieferleistung, dem âBoostenâ, genĂŒgt in vielen FĂ€llen, ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit, die Verwendung eines kleineren Kompressors.Dieses sogenannte âDownsizingâ trĂ€gt wiederum nicht nur zum reduzierten Gewichts- und Platzbedarf bei, sondern auch zur erheblichen Verringerung von LĂ€rmemissionen. Ein kleinerer Kompressor bedeutet schlieĂlich weniger GerĂ€uschbelastung. Des Weiteren gehen mit dem Ansatz ökologische Vorteile einher: Wo weniger Masse beschleunigt werden muss, reduziert sich der Energieverbrauch des Zuges. Wo geringere LĂ€rmemissionen verursacht werden, sinkt die LĂ€rmbelastung der Umwelt. Ein zusĂ€tzlicher Nutzen entsteht, da nun nicht mehr der Spitzenbedarf die KompressorgröĂe bestimmt, sondern somit der Kompressor im Normalbetrieb in seinem optimalen Betriebspunkt lĂ€uft.Einen weiteren Vorteil der adaptiven Steuerung beschreibt der âSilent Modeâ. Durch gezielte Drehzahlreduzierung in Situationen mit geringem Luftbedarf können niedrige Schallwerte erreicht werden. Der Modus unterstĂŒtzt Bahnbetreiber dabei, strenger werdende LĂ€rmschutzvorgaben einzuhalten und besonders sensible Umweltbereiche zu schĂŒtzen - beispielsweise beim nĂ€chtlichen Abstellen von ZĂŒgen in WohngebietsnĂ€he oder auf Bahnhöfen. Der Komfort-Effekt des âSilent Modeâ ist bemerkenswert, wie das Beispiel am VV120T-Kompressor zeigt: Die Drehzahl geschickt angepasst, lĂ€sst sich seine Schalleistung um bis zu 75 Prozent senken. Mit der Drehzahlregulierung ist die AirSupply Smart in der Lage, den bisher nur aufwendig zu lösenden Zielkonflikt aus Förderleistung, Schallkapselung und KĂŒhlluftstromluftstrom im Kompressor zu entschĂ€rfen: Wo weniger Schall entsteht, lĂ€sst sich an der Einhausung sparen. Wo weniger Schallkapselung nötig ist, ergeben sich Potenziale zur Vereinfachung des KĂŒhlkonzepts, die wiederum die KomplexitĂ€t der Luftversorgungsanlagen verringert. Aber nicht nur das Drehzahlmanagement macht das Gesamtpaket attraktiv. Mit dem Frequenzumrichter ergeben sich auch bedeutende Vorteile bei der Integration der Anlage ins Gesamtsystem. FĂŒr die Elektroingenieure des Fahrzeugs ist der Kompressor eine komplizierte Komponente. Seine Drehungleichförmigkeiten und hohen Anlaufströme belasten das 3-Phasen Versorgungsnetzes des Zugs erheblich. Der Hilfsbetriebeumrichter (HBU) auf dem Fahrzeug muss die nötigen Leistungsreserven bereithalten und ist dementsprechend ĂŒberdimensioniert. ZusĂ€tzlich ist ansteuerseitig sicherzustellen, dass das Bordnetz nicht etwa durch den gleichzeitigen Anlauf mehrerer Kompressoren ĂŒberlastet wird. Dies alles ist mit entsprechenden Kosten und Aufwand verbunden. Die geschickte Lösung: Der Frequenzumrichter in der Anlage puffert die Anlaufströme und ist zudem in der Lage, die Gleichspannung des âHBUâ direkt zu verarbeiten. Damit entfĂ€llt der Kompressor als 3-Phasen-Verbraucher komplett und die entfallenen Wechselrichterstufen im HBU erhöhen dessen Energieeffizienz. Beim âPantograph Modeâ handelt es sich um ein weiteres Feature mit direktem Effekt auf die SystemkomplexitĂ€t des Fahrzeugs. So sind viele elektrisch betriebenen Fahrzeuge neben dem âHauptluftkompressorâ mit einem batteriebetriebenen Hilfsluftkompressor ausgerĂŒstet, um das Anheben der Pantographen im drucklosen Fahrzeug zu ermöglichen. Im âPantograph Modeâ wandelt der Frequenzumrichter den Gleichstrom aus der Fahrzeugbatterie in Drehstrom um und betreibt den Kompressor mit reduziertem Anlaufstrom sowie niedrigerer Drehzahl. Der damit einhergehende geringere Leistungsbedarf ermöglicht einen kurzfristigen Betrieb des âHauptluftkompressorsâ aus der 110-Volt-Fahrzeugbatterie, ohne diese zu ĂŒberlasten. Beim hergestellten Kontakt des Pantographen zur Oberleitung wechselt die Steuerung in den klassischen AuffĂŒllmodus. Ein ergĂ€nzender Hilfsluftkompressor ist somit nicht mehr nötig, die gesamte Baugruppe kann entfallen, mit allen daraus resultierenden Vorteilen fĂŒr Platzbedarf, Gewicht und Wartungskosten.
Auch hinsichtlich innovativer digitaler Features zeigt das Konzept seine StĂ€rken. Von Grund auf als durchdachte Plattform konzeptioniert, ist der Frequenzumrichter bereits mit den nötigen Schnittstellen ausgestattet, um neue Funktionen per Software-Update ergĂ€nzen zu können. Schon heute ĂŒberwacht ein Condition-Monitoring-Paket die wesentlichen Systemfunktionen und meldet etwaige FunktionseinschrĂ€nkungen. FehlerfrĂŒherkennung, Vermeidung von schwerwiegenden Folgefehlern und Reduktion von Wartungs- sowie Reparaturaufwendungen sind nur einige der sich positiv auf die Betriebskosten der Anlage auswirkenden Vorteile. Die neue Luftversorgung ist dabei in der Lage Daten aus bis zu acht weiteren Sensoren zu verarbeiten, auch fĂŒr anspruchsvolle Diagnoseaufgaben wie ĂlstandĂŒberwachung oder Taupunktmonitoring.Zudem entstehen Synergieeffekte, da sich bereits eine vorhandene bahntaugliche Elektronik fĂŒr das Monitoring nutzen lĂ€sst. Weder sind zusĂ€tzliche Schnittstellen oder GehĂ€use noch zusĂ€tzliche Validierung der Hardware wie EMV-Tests zur elektromagnetischen VertrĂ€glichkeit sowie Schock- und Vibrationstest nötig.Ein weiteres Beispiel fĂŒr die flexible modulare Funktionserweiterung stellt der, in der neuesten Kompressorgeneration von Knorr-Bremse zum Einsatz kommende, elektrisch angesteuerte LĂŒfter dar. In konventionellen Anlagen wird der LĂŒfter starr auf der Welle verbaut. Die Ansteuerung des E-LĂŒfters erfolgt ohne zusĂ€tzliche Steuerelektronik direkt aus dem Umrichter. Die nötigen Ein- und AusgĂ€nge sind Teil des Konzepts, wodurch die Steuer-Software problemlos integriert werden kann.Aus ökologischer Sicht ermöglicht die adaptive Anpassung an Betriebsbedingungen und Leistungsanforderung des Kompressors erhebliche Vorteile hinsichtlich Gewichts und LĂ€rmemission der Luftversorgungsanlage sowie reduziertere KomplexitĂ€t, Materialverbrauchs, Einbauraums und reduzierter Lebenszykluskosten.

Smarte Entwicklungsmethoden als Wegbereiter fĂŒr den schalloptimierten Kompressor
Heutige Projekte erfordern teilweise extrem niedrige Schallwerte, die selbst mit dem gewaltigen Hebel des âSilent Modeâ respektive situativer Drehzahlabsenkung nicht zu schaffen sind. ZusĂ€tzlich zu den ausgeklĂŒgelten Funktionen sind deshalb weitere Optimierungen am Kompressor erforderlich, um die strengen Vorgaben des LĂ€rmschutzes zu erfĂŒllen. Durch die geschickte Verbesserung schallemittierender Kompressor-Komponenten wie Ventile, Kolben, Lager oder FĂ€nger lĂ€sst sich deren Körperschall und LĂ€rmbelastung im und auĂerhalb des âSilent Modeâ weiter reduzieren. Die involvierten PhĂ€nomene sind jedoch komplex und von Wechselwirkungen gekennzeichnet. In welchen Betriebszustand strahlt welche Komponente welche Schallkomponente ab? Mit herkömmlichen Schallmessungen stöĂt man bei dieser Analysemethode sehr schnell an die Grenzen. Deshalb gehen die Ingenieure bei Knorr-Bremse einen neuen Weg. Im ersten Schritt mĂŒssen die schallerzeugenden Bauteile exakt lokalisiert werden. Die Kombination verschiedener Simulationsmethoden wie Modalanalysen, harmonische Analysen, explizite Struktursimulationen sowie Strömungssimulationen ermöglichen die effiziente Identifikation der relevanten Schallquellen.
Im nĂ€chsten Schritt werden OptimierungsmaĂnahmen definiert und geprĂŒft. Einfache Verbesserungsversuche an einzelnen Komponenten greifen hier zu kurz, da die Optimierung an einer Stelle die Verschlechterung an drei anderen Komponenten verursachen kann.Smartere Methoden sind gefragt, wie zum Beispiel die Modalanalysen auf Basis der Finite?Elemente-Methode (FEM).Diese bieten eine Alternative und vor allem im TagesgeschĂ€ft eine auch darstellbare Option, um die Werte der Eigenfrequenzen schallemittierender Bauteile ĂŒber ihre CAD-Daten (Computer Aided Design) zu simulieren. FĂŒr die nicht weniger wichtige Bestimmung der Schwingungsamplituden sind wiederum explizite FEM-Simulationen notwendig, um die Amplituden im Zeitbereich zu extrahieren. Nach einer Transformation in den Frequenzbereich ermöglichen diese dann eine quantitative Anregung des Modalmodells.Auf diesem Weg lassen sich nun verschiedene Modifikationen und deren Auswirkungen auf die Schallemission simulieren und virtuell testen. Die effizienteste Optimierung wird im dritten Schritt konstruiert und validiert. Um beim Beispiel des VentilfĂ€ngers zu bleiben: Beim Resultat in Form des Silent Valve Systems (SVS) kommt nun eine DĂ€mpfung des Ventillamellenaufschlag auf dem FĂ€nger zur Anwendung, die nurmehr den obligatorischen Hardwaretest zur finalen BestĂ€tigung durchlaufen muss. Analog lassen sich weitere schallbeeinflussende Komponenten wie etwa LĂŒfterhutze oder Kolbenringe konstruktiv optimieren â und auf diese Weise die LĂ€rmemissionen der Luftversorgungsanlage Schritt fĂŒr Schritt minimieren.Durch die Kombination des adaptiven Drehzahlmanagements und der Optimierung des Kompressors wurde erreicht, dass die AirSupply Smart VV90-T als der leiseste Kolbenkompressor dieser BaugröĂe gilt, der von Knorr-Bremse ohne aufwĂ€ndige Schallkapselung bisher auf den Markt gebracht wurde. Ein herkömmlicher Kompressor im vergleichbaren Leistungsbereich wird vom menschlichen Ohr doppelt so laut wahrgenommen wie die AirSupply Smart VV90-T im âSilent Modeâ.

Conclusio
Das Ergebnis zeigt, dass das Potenzial zur Reduzierung von Emissionen im Bereich der Luftversorgungssysteme von Schienenfahrzeugen noch nicht ausgeschöpft ist. Es besteht weiterhin Raum fĂŒr Innovationen, um die Nachhaltigkeit und LĂ€rmreduzierung weiter voranzutreiben. Die AirSupply Smart VV90-T konnte sich jedoch durch ihre adaptive Ansteuerung und die Anwendung effektiver Entwicklungstechniken als der leiseste bisher je von Knorr-Bremse gelieferte Kolbenkompressor ohne Schallkapsel in dieser LeistungsgröĂe positionieren.
Autoren: Dr. Martin Schmid; Martin Schmid; Ludwig Obermaier